Wie die Automobilindustrie die Transformation verpasst. Warum wir jetzt was tun müssen.

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Das Auto basierend auf dem Verbrennungsmotor und sogar der gesamte Individualverkehr in heutiger Form könnte ein Auslaufmodell sein. Brauchen wir einen Plan B für Automobilzulieferer?
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Die Automobilindustrie ist traditionell das Zugpferd der deutschen Wirtschaft. Über Jahrzehnte hinweg erfreuten sich Qualitätsfahrzeuge „Made in Germany“ weltweit großer Beliebtheit. Nun steht die gesamte Branche jedoch vor einer einschneidenden Transformation, welche massive Veränderungen mit sich bringen wird. Der Grund: Das Auto mit Verbrennungsmotor und sogar der gesamte Individualverkehr in heutiger Form sind möglicherweise Auslaufmodelle. Politik und Manager der Konzerne setzen dieser Entwicklung bis dato kaum Maßnahmen entgegen, sondern halten sogar an Technologien von gestern fest.

 

Jahrelange Versäumnisse und kaum Bewegung

Im Silicon Valley machten sich findige Ingenieure in den vergangenen Jahren daran, praxistaugliche Elektroautos mit enormen Reichweiten und komplette E-Mobilitätskonzepte zu entwickeln. Giganten wie Google und Apple arbeiteten parallel dazu intensiv an der Realisierung von Technologien für autonome, also selbstfahrende, Autos. Während all dies geschah, entwickelte die deutsche Automobilindustrie unbeirrt ihre Benzin- und Dieselmotoren weiter. Einzelne Elektromodelle waren allenfalls Prestigeprojekte. Ernsthafte Strategien zur Mobilität der Zukunft stammen nicht aus der Bundesrepublik – sie werden anderorts entwickelt.

 

Zusätzliche Dynamik nahm die Situation auf, als bekannt wurde, dass Volkswagen Schummel-Dieselmotoren in zahlreichen Fahrzeugen verbaut hat. Klar scheint schon heute, dass dies nur die Spitze des Eisbergs ist. Wenig später entbrannte außerdem eine Diskussion über Dieselfahrverbote. All dies hat dem Image von Dieselfahrzeugen und der gesamten deutschen Autoindustrie massiv geschadet. Was einst als effiziente und umweltfreundliche Technologie galt, ist nun verpönt. Mehr noch: Das Dieselgate war eine Art Weckruf, dass es nun endgültig an der Zeit ist, sich von Verbrennungsmotoren zu verabschieden und fokussiert an neuen Mobilitätskonzepten zu arbeiten. Der Ruf drang jedoch offensichtlich nicht in die Managementetagen der Autobauer vor.

Die deutsche Automobilindustrie führt Wasserstoff und synthetische Treibstoffe als Allheilmittel an. Dabei wird übersehen, dass der nagelneue Mercedes Bi-Turbo auf den neuerdings überall entstehenden Tesla-Ladeparkplätzen schon wie ein Oldtimer wirkt. Die Rechnung wird ohne den Kunden gemacht. Der „Tipping Point“ ¹ – der Kipppunkt – an dem es für die Mehrheit der Bevölkerung aus Imagegründen inakzeptabel sein wird, noch mit einem qualmenden Fahrzeug zu fahren, rückt näher. Eine Deloitte-Studie ² zeigt: Der Anteil der Elektroantriebe bei Neuzulassungen könnte im Jahr 2025 in Deutschland bereits 40 Prozent betragen.

 

Tausende Arbeitsplätze gefährdet

Gewerkschaftschefs machen sich bereits ernsthafte Sorgen. Sie befürchten zurecht, dass die Autoindustrie als Erfolgsbranche der Republik bald in die Knie gehen könnte. Tatsächlich steht der Verbrennungsmotor aufgrund von Klimaschutzbestrebungen vor der Ablösung durch alternative Antriebe. Diese Transformation trifft in Kürze mit voller Wucht auf die deutsche Autobranche, welche sich viel zu lange auf ihre alten Technologien verlassen hat. Selbst, wenn es den Herstellern gelingt, massentaugliche Elektrofahrzeuge auf den Markt zu bringen, sind Tausende von Jobs in Gefahr. Der Grund: E-Autos sind wesentlich einfacher aufgebaut als konventionelle Fahrzeuge. Alleine der E-Motor besteht nur aus einem Bruchteil der Bauteile eines Verbrennungsmotors. Die technologische Kompetenz für Akkus und Elektromotoren liegt überwiegend in Asien. Darüber hinaus sind in E-Autos weder Getriebe noch Ventile notwendig. Der Verschleiß ist ebenfalls deutlich geringer, wodurch das Service- und Ersatzteilgeschäft einbrechen wird. Eine aktuelle Studie des Ifo-Instituts rechnet vor, dass ein Verbot von Verbrennungsmotoren ab 2030 620.00 ³ Beschäftigten den Job kosten könnte.

 

Mehr als nur ein Technologiewandel

Ein Szenario, das in Politik und Automobilwirtschaft hierzulande ebenfalls noch nicht angekommen zu sein scheint, ist die bevorstehende, grundlegende Transformation unserer gesamten Mobilität. Die Herausforderung besteht also bei Weitem nicht nur darin, jetzt die Versäumnisse in puncto E-Antrieb aufzuholen. Es ist vielmehr der bevorstehende Wandel von Kundenbedürfnissen, der zukunftsgerichtete Strategien von den Autoherstellern erfordert.

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Disruptive Geschäftsmodelle haben das Potenzial, der traditionellen Automobilindustrie große Teile ihrer Geschäftsgrundlage zu entziehen. Ein prominentes Beispiel ist das amerikanische Dienstleistungsunternehmen Uber. Es bietet einen Vermittlungsdienst zur Personenbeförderung via Web oder App an.

Kombiniert man diesen Ansatz mit autonomen Fahrzeugen, die in einigen Jahren bereits Realität sein werden, ergibt sich ein völlig neues Mobilitätskonzept. Viele Menschen werden sich kein eigenes Auto mehr anschaffen. Sie werden über Online-Dienste einen selbstfahrenden Pkw zu ihrem Standort rufen, eine definierte Strecke zurücklegen, und das Fahrzeug am Zielort einfach stehen lassen. Während der Fahrt werden sie dank voller Vernetzung entweder arbeiten oder ihren bevorzugten Freizeitbeschäftigungen nachgehen können. Es erfolgt außerdem eine emotionale Entkopplung vom Auto. Einen Pkw als Statussymbol zu besitzen, wird nicht länger relevant sein. Dinge wie Markenimage, Optik und Pferdestärke treten in den Hintergrund. All die Faktoren, die Menschen in der Vergangenheit zum Kauf eines traditionellen Autos animiert haben, verlieren an Bedeutung.

 

Anzahl der Fahrzeuge könnte dramatisch sinken

Das Pooling von Fahrten und Car-Sharing-Konzepte werden dazu führen, dass immer mehr Verkehr mit immer weniger Fahrzeugen bewältigt werden kann. Das spart Energie, reduziert Emissionen und verhindert Staus. Eine Studie der TU München rechnet vor: Würden wir uns weltweit konsequent selbstfahrende Autos teilen, könnte die Zahl der Kraftfahrzeuge um sagenhafte 90 Prozent sinken. Parkflächen in Großstädten ließen sich signifikant reduzieren. Es entstünde Platz für Parks, Radwege und neuen Wohnraum.

 

Wie wird es weitergehen?

Die spannende Frage ist nun, wie es weitergeht und ob die deutsche Automobilindustrie noch zu retten ist. Es darf bezweifelt werden, ob die großen Hersteller die Kraft und den Willen haben, das hoch integrierte Netzwerk von tausenden Zulieferern in die Zukunft zu führen. Wird es nicht vielmehr so sein, dass dann achselzuckend gesagt werden wird: Wir sind überrascht. Wir konnten nicht ahnen, dass so viele Kunden nur noch Elektroautos fahren wollen. Dagegen sind wir machtlos. Die Politik muss helfen!

Wenn wir all dies schon heute ahnen, müssten dann verantwortliche Führungskräfte in Zulieferbetrieben nicht umgehend damit beginnen, die Abhängigkeit von der kraftstoffbasierenden Automobilindustrie zu verringern – mit allem Nachdruck und mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen? Jeder Zulieferer für den Antriebsstrang des Automobils braucht einen Plan B. Hoffentlich reicht die Zeit noch.

 

Betroffene Unternehmen können sich von Experten wie GRANTIRO beraten lassen. GRANTIRO verfolgt den Ansatz, Traditionsunternehmen zu erhalten, damit Menschen oder gar ganze Regionen nicht durch Standortschließungen beeinträchtigt werden. Hierfür werden beispielsweise völlig neue Geschäftsmodelle entwickelt, mit denen der Erhalt zahlreicher Arbeitsplätze realisiert werden kann.

 

Quellen:

¹ https://de.wikipedia.org/wiki/Tipping-Point

² https://www2.deloitte.com/de/de/pages/presse/contents/studie-2017-Automotive-Value-Chain.html

³ https://www.cesifo-group.de/de/ifoHome/infoservice/News/2017/07/news-20170718-verbot-verbrennungsmotoren.html

Weiterführende Links:

http://www.sueddeutsche.de/auto/autoindustrie-autokonzerne-gefaehrden-die-wichtigste-branche-des-landes-1.3590406

 

 

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