Choronavirus, Ölpreis, Fridays for Future, drohende Staatsbankrotte

Lausanne, 09.03.2020, Peter E. Rasenberger

In einer immer mehr vernetzten und beschleunigten Welt gibt es immer wieder disruptive Wechselwirkungen, die mich mächtig beeindrucken.

Wer hätte vor ein paar Wochen gedacht, dass die Angst vor dem SARS-CoV-2 Virus die erwartete Nachfrage nach Öl (und auch die tatsächliche) soweit dämpft. Der Ölpreis wurde im Spiel zwischen Angebot und Nachfrage auf den niedrigsten Wert seit 1991 gedrückt. Der Absturz der Sorte Brent heute in den frühen Morgenstunden auf 31,02 Dollar per Barrel war auch unterstützt von taktischen Spielchen zwischen der OPEC und Vladimir Putin. Die OPEC droht mit der Ausweitung der Produktion, um Putin unter Druck zu setzen.

Ökologen mögen sich über die geringere Nachfrage nach Öl freuen, bedeutet es doch weniger Freisetzung von CO2 bei der Verbrennung des fossilen Brennstoffes. Gleichzeitig verteuert ein geringer Ölpreis die alternativen Energien relativ und macht Sie damit unattraktiver.

Wenn wir kurz innehalten und auf das große Transformationsszenario in den Wirtschaftssystemen auf unseren Planeten schauen, könnten einem die Worte des genialen Tom Wolfe, 2008 gesprochen an der New Yorker Börse, einfallen: „We may be witnessing the end of capitalism as we know it“.

Langfristig muss der Ölpreis noch viel stärker fallen

Der Verbrauch von Öl und Kohle ist (noch) Teil der DNA unserer Wirtschaft. Die Nachfrage muss aber sinken, viel schneller als das mögliche Angebot. Die nächste Genreration fordert den Ausstieg aus der CO2 Maschinerie lautstark und die überwältigende Mehrheit der Wissenschaftler zeigt uns die Folgen auf, was ein zu Spätkommen beim Klimawandel bedeuten könnte. Die Transformation von einer auf fossilen Energien basierenden Industrieproduktion auf Verfahren, die langfristig gänzlich auf fossile Energieträger verzichten, ist keine Frage des ob, sondern ausschließlich des wann. Bei Licht betrachtet, kann es gar nicht schnell genug gehen. Das wird unvermeidlich größte Turbulenzen und Krisen in unserem Wirtschaftssystem auslösen. Doch diese Krisen werden allemal kleiner sein, als das was uns beim Scheitern der Transformation blüht.

Die Krisen, die von besonders hohen Ölpreisen auslöst werden, sind geprägt von Gewinnen für eine kleine Elite (für die Energieindustrie) und von Verlusten für die restliche Menschheit (in Form von höheren Preisen beim Verbrauch). Bei besonders kleinen Ölpreisen ist es genau umgekehrt. Die Eliten, die üblicherweise von einem möglichst hohen Ölpreis profitieren, kommen unter Druck. Die restlichen Menschen erfreuen sich an geringeren Preisen. Was soll daran schlecht sein und wo wäre dabei die Krise?

Mächtige Gegner

Die mächtigen Gegner einer Beschäftigung mit den Klimawandel sind – wen wundert es  – Deckungsgleich mit den Eliten, deren wirtschaftliche Grundlage die Förderung und der Verkauf fossiler Energieträger ist. Teile dieser Eliten sind schlichtweg Diktatoren, deren Machtbasis zu ganz wesentlichen Teilen auf einem bestimmten Energiepreis beruht. Ein Ölpreis von circa 31 US-Dollar pro Barrel ist z.B. weit unter den Produktionskosten für das schwarze Gold in Russland. Vladimir Putin wird diesen Zustand nicht lange durchhalten können. Er wird aus seiner Sicht alles – wirklich alles – tun müssen, um einen Zusammenbruch seiner Wirtschaft zu verhindern, die ohne die Einnahmen aus dem Öl in einen Staatsbankrott schlittert. Ist jemandem schon aufgefallen, dass die Diktatoren und Despoten, die gegen die Beschäftigung mit dem Klimawandel sind, auch zeitgleich die Bekämpfung der Covid-19 Krankheit für einen Klacks halten und alles in Ihrem Land unter bester Kontrolle wähnen? Angry old white men, die um Ihre Macht fürchten.

Die Krise bei besonders geringen Öl-Preisen, kommt in der Form der Gegenmaßnahmen, die jene Personen glauben ergreifen zu müssen, um Ihre Macht zu schützen. Egal wie hoch der Preis ist. In der Vergangenheit hat u.a. das Anzetteln von Kriegen den Ölpreis nach oben getrieben.

Fazit

Vielleicht ist der heutige Ausflug zu geringen Ölpreisen bereits wieder in ein paar Tagen vorbei. Wenn nicht, sollten wir besonders wachsam sein, hinsichtlich dessen, was einzelne Wirtschaftsführer und Politiker in den kommenden Tagen und Wochen fordern werden, wenn es darum geht Krisen abzuwehren. Wir, die nicht im Parallel-Universum des Donald Trump und Vladimir Putin leben, können die Situation auch als eine Chance zu lernen begreifen, wie es sein könnte, wenn Öl nicht mehr so wichtig wäre. Die Geschichte entfaltet sich vor unseren Augen.